ISLAND 2018 – Woche 7

TAG 49 – Freitag, 31.08.18 – Im Süden

Autor: MS

Wetter: heute gabs jedes erdenkliche Wetter – 4 bis 12 Grad

Technik: Steinschlag in der Windschutzscheibe

Gemüt: gespannt auf den Süden

Nach einer stürmische Nacht mit richtig viel Regen, stand der Campingplatz vollständig unter Wasser.
Wir wollen unsere Tour durch den Süde soweit wie möglich süd-westlich beginnen und fahren nach einem vertrödelten Vormittag erst spät los. Im Süden gibt es viel saftig grünes Weideland – kein Wunder dass mehr als 90% der Bevölkerung hier leben. An der Atlantikküste gibt es echte Dünen und meist schwarzen Strand mit einer hohen Brandung. Das Wetter hat sich gebessert und hier und da halten wir für ein Foto an.

Irgendwann fliegt uns dann ein Stein in die Windschutzscheibe. Die Macke ist schon ziemlich groß – aber von innen nicht zu fühlen. Wir kleben zunächst ein Scheibenpflaster drauf – haben aber Angst das die Scheibe weiter reißt.
So entscheiden wir nach einer kurzen Recherche im Internet nach Reykjavik zu fahren und die Scheibe per SmartRepair flicken zu lassen. Vorher schauen wir uns aber noch eben die berühmte Strandkirche von 1898 an.

Der erste Glasservice bietet das auch an, sagt aber dass es passieren könnte das die Scheibe bei der Vakum-Reparatur ganz kaputt geht – er könne diese Scheibe aber bis Dienstag (also in 4 Tagen besorgen). Wir bitten um Gedenkzeit und fahren einfach mal zum nächsten. Janine telefoniert derweil mal mit der Versicherung – ja, ist abgedeckt – auch in Island – SmartRepair aber nur bis 100 EUR. Ganze Scheibe geht auch – abzüglich Selbstbeteiligung von 500 EUR – Mist.
Der Autoservice Poulsen sieht auch professioneller und größer aus. Hier leitet man uns aber weiter an eine Niederlassung, da unser Truck hier nicht in die Garage passt. Nach weiteren 10min sind wir dann da. Dann geht’s auch ganz schnell – Garage auf – Truck rein, Garage zu, Kaffeebar und nach 20min ist die Reparatur schon geschehen – sieht nicht ganz unsichtbar aus, aber gefüllt und glatt. Hat dann auch „nur“ ca 200 EUR gekostet. Bin mal gespannt was der deutsche TÜV dazu sagt. Aber besser als mit der Ungewissheit weiterfahren zu müssen.

Da wir eh in Reykjavik sind schaue ich mal kurz nach wo den die Fa. Arctic Trucks sitzt – direkt um die Ecke. Also erstmal da hin, wollte schon immer mal sehen, was die für Autos bauen bzw. umbauen. Haben im Hochland diverse Autos dieser Firma gesehen. Alle monströs hoch und viele mit diesen Ballonreifen – erst dann nennt man die einen echten Superjeep. Die kacheln auch jede erdenkliche Piste und jede noch so tiefe Furt.

Der Chef, aufmerksam unseren Truck bestaunt, zeigt mir gleich die ganze Firma. Gerade wird ein nagelneuer Toyota Hilux Pickup vorbereitet. Das ganze Auto vom Rahmen abmontiert. Die Fahrgastzelle wird verstärkt und am Rahmen werden alle Aufhängungen so umgeschweißt, das das ganze Fahrzeug hinterher deutlich höher und auch breiter ist und die riesigen Ballonreifen auch montiert werden können. Natürlich auch andere Dämpfer, Federn, Stabis, Lenkunsdämpfer, etc. etc. Am besten finde ich aber die Reifenluftfüllanlage, welche per Handy ferngesteuert wird. So kann man ganz schnell den Reifendruck an geänderte Bedingungen anpassen. Nicht umsonst fahren auch die Safe&Rescue Manschaften solche Fahrzeuge – siehe Bild. Mit deutschen TÜV Auflagen ist das alles aber nur schwer kombinierbar – da sprach er aus Erfahrung.

Janine hat derweil unser nächstes Ziel erlesen – es geht jetzt zu Krater Kerid am Golden Circle. Janine war ja vor 3 Jahren schon mal dort – im Winter, KraterSee zugefroren und alles weiß. Jetzt sieht er doch deutlich besser aus.

Das erste Mal auf unserer Reise erwischt uns während einer Tour draußen ein richtiger Regenschauer und wir verschwinden ziemlich nass und ziemlich schnell auf einen Kaffee im Magirus.

Gegen 20 Uhr erreichen wir dann einen Campingplatz an der Küste – nicht weit weg von unserem Steinschlag-Einschlag. Wir folgen der Empfehlung des Reiseführers und anderer Mitcampenden und gehen ins Hummer-Restaurant auf eine Suppe. Die Suppe ist wirklich einmalig, auch wenn das gar kein Hummer aus dem Atlantik ist – es sind wohl Langusten.

 

Zwischendurch – Wasserdurchfahrt

TAG 48 – Donnerstag, 30.08.18 – the guy in the river

Autor: JS

Wetter: aufgewacht mit Sonne später Sturm

Technik: Schraube vom Heckträger verloren

Gemüt: sonnig

Erste Überraschung nach dem Aufstehen, sämtliche Scheiben sind zugefroren, es ist saukalt. Wir frühstücken und machen alles abreisebereit und verlassen Landmannlaugar über die gleiche ruppige Piste, die wir bereits kennen. Nach ein paar Kilometern kommt uns ein PKW entgegen und winkt uns zu. Wir halten an und lernen Keith aus Florida kennen, der als Beifahrer in dem PKW sitzt. Ein echt netter Kerl, der bei der ersten Fuhrt seines Islandurlaubs gleich 2 Fehler begeht, er fährt viel zu schnell in das Wasser ein und sucht sich dafür noch die tiefste Stelle aus. Auto aus, nichts geht mehr, wenigstens hat er es fast bis ans andere Ufer geschafft und die Fuhrt ist so breit, dass andere Fahrzeuge passieren können. Jedenfalls nehmen wir Keith in unserem LKW mit zurück zu seinem Auto und versuchen es erst mal mit Starthilfe, vielleicht braucht die Batterie ja nur etwas Saft. Hilft aber nicht. Mittlerweile haben sich noch 3 supernette Holländerinnen zu uns gesellt, um zu helfen. Wir bieten Keith an, das Auto zumindest mal an Land zu ziehen, Michael ist ganz heiß darauf, endlich mal die Winde aufprobieren zu können, aber Keith hat Angst noch mehr Schaden am Fahrzeug anzurichten. Da an der Unfallstelle null Handyempfang ist, nehmen wir ihn weiter mit , bis er wieder Empfang hat und seinen Mietwagenverleih anrufen kann. Die haben ihm erst mal verklickert, dass in der Versicherung keine Flussquerungen enthalten sind, oh oh, das kann teuer werden. Die Verleiher organisieren einen Abschleppwagen, der allerdings aus Reykjavik kommt und 2-3 Stunden brauchen wird. Keith soll solange am Auto warten, da er aber klatschnasse Schuhe hat und es mittlerweile sehr windig geworden ist, bieten wir ihm an, ihn in die nächst größere Stadt zu fahren, damit er da auf den Abschlepper warten kann. Da er in Hella im Hotel eingebucht ist, was nicht weit entfernt von uns ist, wollen wir ihn dort hinbringen, damit er sich trockene Sachen anziehen kann. Da aber der Abschlepper mittlerweile schon unterwegs ist, ruft er wieder beim Autoverleih an und nennt seinen Namen, die Dame am anderen Ende sagt: „are you the guy in the river ?“ – and Keith says: „Yes, i am  the guy in the river“. Da hat er wohl jetzt seinen Namen weg. Auf jeden Fall ist es in Ordnung, dass der Abschleppwagen ihn im Hotel aufgabelt und wir setzen ihn eine Stunde später in Hella ab. Derweil steht das Auto nun also seit Stunden einfach so im River. Keith bedankt sich tausend Mal und wir tauschen Kontaktdaten aus. Wenn  wir mal in US sind, dann sollen wir uns unbedingt melden, er will uns ganz Florida zeigen. Wir kommen darauf zurück wenn wir mal zufällig mit dem LKW durch Florida reisen. (PanAm ???)

@Keith: here is your picture from your nightmare – Der arme hat nicht mal ein Bild von seinem Unglück

Da für eigentlich ganz Island eine Sturmwarnung raus ist, beschließen wir uns in Hella auf dem Campingplatz ein Plätzchen zu buchen und dort den Sturm auszusitzen. Wir füllen unsere Vorräte auf und fahren zum CP, dort gibt es endlich nochmal WiFi, so dass wir unseren Blog für die letzten Tage online stellen können.

TAG 47 – Mittwoch, 29.08.18 – Wanderung rund um Landmannalaugar

Autor: JS

Wetter: Sonne, ca. 10 Grad, gefühlt im Wind vielleicht 5 Grad

Technik: alles gut

Gemüt: sonnig

Als wir wach werden, scheint wieder die Sonne, aber es bläst ein kalter Wind, also für unsere geplante Wanderung warm anziehen. Gegen 10.30h gehen wir los. Michael hat an der Info noch eine Wanderkarte besorgt, damit wir nicht vollkommen orientierungslos sind, denn hier gibt es eine große Auswahl an Wanderwegen, von 2,5h Wanderzeit bis zu 2 Tagen. Erst mal durchqueren wir ein großes Lavafeld und überqueren eine, von dutzenden Wasserläufen durchzogene Wiese – na ja, es ist eigentlich Moos und kein Gras.

Dort entscheiden wir uns dem gelben Pfad zu folgen, der uns zum Gipfel der Haalda auf 1128 führt.

Anfangs geht es noch moderat in die Höhe, doch je weiter wir kommen, umso steiler steigt der Pfad an, zudem ist der Weg zum Teil mit losen Steinen bedeckt, das heißt zwei Schritte vor einer zurück.
Es sind lediglich 7km bis zum Gipfel, aber das ist echt harte Arbeit, die Beine werden ganz schön schwer. Aber dann ist es geschafft und wir werden mit einem gigantischen Ausblick belohnt.

Da das Wetter klar ist, kann man bestimmt 100 Kilometer weit gucken. Einfach traumhaft, das Schönste, was wir bisher gesehen haben.

Nachdem wir die Aussicht ausgiebig bewundert haben, gehen wir weiter.

Was zuvor steil bergauf ging, geht jetzt steil bergab, mitunter eine rutschige Angelegenheit. Wir müssen immer wieder große Schneefelder überqueren, dann stoßen wir auf das Geothermalgebiet.

Es ist schon ein bisschen bizarr, gerade überquerst du ein Schneefeld und einige Meter weiter kommt heißer Wasserdampf fauchend aus der Erde geschossen. Die Natur hat hier einiges zu bieten, manchmal dampft es lediglich leicht aus der Erde, manchmal gibt Stellen, an denen das Wasser kochend aus der Erde kommt- leider hatten wir keine Eier – für den Kochversuch – dabei.
Oder aber es kommt laut fauchend mit großem Druck Wasserdampf aus der Erde. Das alles begleitet vom fauligen Schwefelgeruch.

Mittlerweile sind meine Beine bleischwer geworden und mir tun die Kniee weh, es geht immer wieder bergauf und ich hoffe, hinter jedem Hügel endlich unseren Truck zu sehen, aber das soll noch eine Weile dauern.

Aber die grandiose Landschaft entschädigt uns und wir gehen tapfer weiter. Und dann können wir in der Ferne ganz klein unseren LKW sehen. Aber bis wir den erreichen, vergehen weitere 2,5 Stunden. Aber gegen 17.00 haben wir es geschafft und wir gönnen uns erst mal ein leckeres Viking Bier.

Laut meinem Handy sind wir 18km in 5,5h marschiert, eigentlich ja ein Witz, aber durch das ständige steile Auf und Ab war das echt anstrengend. Mikey macht uns eine Kleinigkeit zu essen, dann legen wir uns aufs Bett und schlafen erst mal ein Stündchen. Als wir wieder wach werden, gehen wir in den HotPot, um unseren geschundenen Knochen ein wenig Wärme zu gönnen. Der Pool ist recht groß und wird aus einem heißen und einem kalten Fluss gespeist, d.h. jeder findet hier seine persönliche Wohlfühltemperatur, je nachdem, wo er sich hinsetzt. Ich denke, das ist schon einmalig.

Wir werden eine weiter Nacht hier verbringen, denn keiner von uns hat Lust, heute noch irgendwo hinzufahren.

TAG 46 – Dienstag, 28.08.18 – weiter Spregisandur – nach Landmannalaugar

Autor: MS

Wetter: Sonne

Technik: alles gut

Gemüt: durchgerappelt

Nach der stürmischen Nacht, in der wir dann doch recht gut geschlafen haben, machen wir uns recht früh wieder auf den Weg – besser gesagt auf Piste. Die Piste ist auch heute nicht besser und führt weiter durch die LavaSteinWüste Sprengisandur.

Wir passieren weitere Gletscher und von weitem sieht man schon Landmannalaugar als sehr eindrucksvolles Vulkan-Gebirgsmassiv – und vor allem endlich mal wieder Farbe – nach all den grau-braun  Tönen der Lavawüste.

Es sind dann aber immer noch mehr als 80km Piste. Zwischendurch tauschen wir auch heute mal die Positionen – ich will einfach kein Wellblech mehr fahren – bei dem ganzen Gerappel finden wir auch hier jeden Tag neue Sägespäne im Aufbau – die fallen aus allen Ritzen – wo die wohl alle vorher waren ???
Janine macht die letzten 30km – zwischendurch halten wir an einem mit Wasser gefüllten Krater. Die Landschaft wird immer schöner und wir können jetzt schon mit Sicherheit sagen, dass dies das landschaftlich Schönste ist, was wir auf Island bisher gesehen haben. Oft halten wir an um zu staunen und Fotos zu machen.


Nach mehr als 6h Stunden kommen wir endlich am Ziel an. Dort völlig überlaufen, HochlandBusse kommen dir auf schmaler Piste entgegen oder drängeln von hinten. Dann ein Parkplatz und hinter einer recht tiefen und breiten Doppelfurt der Campground. Janine fährt natürlich durch die Furt. Auch der große Hotpot total überlaufen – na vielleicht wird’s abends mal leerer – mal schauen.

TAG 45 – Montag, 27.08.18 – Spregisandur – nach Süden

Autor: MS

Wetter: Sonne kämpft sich im Laufe des Tages durch  14 Grad

Technik: neues Handy eingerichtet

Gemüt: gespannt auf die Sprengisandur

Um 6:15 Uhr klingelt mich unser Dachdecker aus dem Bett – in der Heimat ist da ja schon 8:15 Uhr – verziehen. Ich beschäftige mich mit dem Ersatzhandy – das ist das alte Microsoft Lumia Handy – da scheint das Kameramodul defekt zu sein – Mist, auch Käse. Die Entscheidung ein neues Handy einzukaufen ist gefallen. Bis Janine dann mal aufsteht beschäftige ich mich weiter damit, wie man denn von einem Handy ohne Display die Daten sichern kann. Wenn der USB Zugriff erst bestätigt werden muss geht das nur über Entwicklersoftware. Lade 1.5GB Daten über mein Internetvolumen herunter (der Campground hat kein WLAN), installiere, bastel, aber es will nicht funktionieren. Werde die Daten wohl erst wieder zu Hause zurückbekommen können.
Nach dem Frühstück fahren wir mit dem LKW direkt zum örtlichen Shoppingcenter und ich bekomme ein recht günstiges Nokia Handy mit vernünftiger Ausstattung. Die nächsten 2.5h sitzen wir in einer gemütlichen Couchgarnitur in der Shoppingmall mit Kaffee aus dem Vodafone Laden und ich installiere alle wichtigen Apps mit dem wirklich pfeilschnellen kostenlosen WLAN dort, konfiguriere und richte ein. Erst danach bin ich wieder glücklich – jetzt kann es auf die Sprengisandur gehen. Die Wetterwarnung hatte sich bis hier hin nicht bestätigt und die Sonne scheint.
Die Spregisandur (F26) ist die älteste Nord-Süd Verbindung, die wegen Aberglaube aber irgendwann nicht mehr beritten  wurde. Sie führt 210km durch die größte Wüste Europas zwischen zwei Gletschergebieten hindurch und sollte daher sehr schnell beritten werden. Es ist das pure Hochland, Steinwüste, windig, kalt. Daher auch der Name: Sprengi -schnell Reiten und Sandur steht für Wüste. Durch schnelle Wetterumschwünge konnte ein Ritt quer durchs Hochland sehr beschwerlich und auch gefährlich sein und wurde dann deshalb mehrere hundert Jahre vermieden.
Erst seit den 1930er Jahren wurde diese Route wieder offiziell eingerichtet und auch erstmals mit Fahrzeugen befahren.
Wir brauchen etwa 1h von Akureyri bis zum Abzweig der 842 die dann auf die F26 führt. Es ist eine schöne Anfahrt durch ein wasserdurchflutetes Tal ins Hochland, es geht am Godafoss vorbei und auf dem Weg zur F26 folgen noch zwei schöne Wasserfälle die wir bisher noch nicht besucht hatten.

Die Straße 842 lässt sich gut fahren hat nur oft schlimme Schlaglöcher die es zu umschiffen gilt.

Auf der F26 wechselt sich das Bild dann schnell. Der Bewuchs wird spärlicher, es gibt auch keine Schafe mehr – nur noch Lavageröllhalden, Lavatäler, Lavaberge, Wasserströme – rechts und links die gletscherüberzogenen Berge und dazwischen die Schotterpiste, die mal gut mit 45 km/h zu fahren ist, dann aber wieder nur noch mit 10km/h. Die Schotterpiste hat mal Schotter so groß wie Rollkies, dann mal wieder Schotter so fein wie Sand, viele Schlaglöcher und oft Wellblech. Es gibt allerhand Furten, größere und kleinere, alle nicht tief.

Nach etwa 6h erreichen wir nach genau 100km (also ungefähr genau in der Mitte der Sprengisandur) den Campground und Mountainhutt Nyidalur gegen 20 Uhr. Dort gibt es eine Schutzhütte und einen Campground. Zudem ist hier das Search- und Rescue Center für den Vatnajökull Nationalpark untergebracht. Es gibt Spagetti und ein Bier.

Während wir hier schreiben, beginnt aber nun der Sturm ganz heftig. Der ganze LKW wackelt, wir gehen nochmal raus, der Truck steht gut so, wie es ist, der Wind kommt von vorn. Wenn man aus dem Windschatten tritt, fliegt man fast weg, die Luft ist voller Sand – in Deutschland wäre das sicher eine Okan Warnung wert gewesen. Wir wissen nicht, ob wir heute Nacht gut schlafen werden.

TAG 44 – Sonntag, 26.08.18 – nochmal nach Akureyrir

Autor: JS

Wetter: bewölkt, aber die Sonne kämpft sich im Laufe des Tages durch, 8 Grad

Technik: Magirus hat ganz schön Öl gefressen

Gemüt: super, allerdings schlimmen Muskelkater im Bauch und Schultern

Heute haben wir ausgeschlafen, kein Wecker schrillt uns aus dem Bett. Gestern abend hat der Wind bei 0 Grad mächtig am Magirus gewackelt, aber heute morgen hat der Wind sich gelegt, die Wolkendecke beginnt sich zu lichten und es verspricht ein sonniger Tag zu werden. Da Mikey sich bei den Nachbarn festquatscht, nutze ich die Zeit den Camper mal wieder gründlich zu saugen. Um 12.20 verlassen wir Laugafell über die F821 in Richtung Akureyrir, in der Hoffnung dort einen Handydoktor zu finden.

Die Piste ist landschaftlich superschön, erst einige Kilometer Steinwüste, dann liegt vor uns ein wunderschönes Tal, große grüne Moos- und Grasflächen mit weißen und schwarzen Farbtupfern – den Islandschafen, durchzogen von dutzenden kleinerer und größerer Wasserläufen, ein Traum. Als Alptraum erweist sich allerdings die Piste, die hinunter ins Tal führt. Zum Teil geht es steil bergab, überall liegen große Felsbrocken oder es sind tiefe Löcher zu durchfahren, die ‚Straße‘ windet sich in engen Serpentinen nach unten.

Und natürlich, ausgerechnet an einem besonders engen, steilen und ruppigen Stück kommen uns ein Mopped, 2 Quads und ein Pickup entgegen, die aber freundlicherweise ganz an den Rand gefahren sind, die Frau im Pickup hat uns von ganz unten gesehen und dort bestimmt 15 Minuten gewartet, bis wir an ihr vorbei waren. Immer wieder müssen Wasserläufe durchfahren werden. Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit liegt bei 20km/h. Zwischendurch immer wieder Abschnitte, die sehr gut zu fahren sind, aber meist nur für 10m, danach geht es wieder ruppig zur Sache.

Aber gegen 15.00 haben wir wieder vernünftigen Straßenbelag unter den Rädern und rollen eine weitere Stunde ruhig dahin, bis wir schon von weitem ein gigantisches Kreuzfahrtschiff im Hafen von Akureyrir liegen sehen. Wir suchen uns auf dem Citycamp ein Plätzchen und gehen in die Innenstadt, da wir lediglich gefrühstückt haben, gönnen wir uns erst mal 2 HotDogs. Im Einkaufszentrum der Stadt ist ein Vodafoneladen und noch ein weiteres Handygeschäft, aber beide haben schon geschlossen, wir treffen jedoch noch einen Verkäufer, der keine guten Nachrichten hat. Handydoktor gibt es nur in Reykjavik. Blöd, aber das lässt sich nicht ändern. Entweder muss Michael sich morgen ein neues Handy kaufen, da Island nicht in der EU ist, können wir auf der Fähre die MWST zurückerstatten lassen, oder aber mit dem Ersatzhandy leben. Wir haben jetzt Hunger und da wir gestern eigentlich anlässlich unseres Hochzeitstages eh essen gehen wollten, aber es nicht konnten, da wir die Nacht irgendwo mitten im Nirgendwo verbracht haben, gehen wir ins Steakhaus und gönnen uns ein gutes Abendessen. Da das Restaurant freies Wifi hat, checken wir die vedur.is Seite. Dort wird für morgen vor Starkregen und Wind mit hohen Windgeschwindigkeiten im gesamten Hochland gewarnt. Der Plan ist die Sprengisandur, das ist der alte Reitweg, der von Norden nach Süden führt, zu fahren, ein Muss für jeden Islandreisenden mit Allrad, aber wir werden unseren Plan wohl ändern, denn die Warnungen auf dieser Seite sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen, vor allem, da im Hochland weit und breit niemand ist, der einem im Notfall helfen kann und es gibt keinen oder nur schlechten Handyempfang. Wir werden das morgen früh nochmal checken und ggf. umdisponieren.

TAG 43 – Samstag, 25.08.18 – Rafting zum Hochzeitstag und Laugafell

Autor: MS/JS

Wetter: sonnig,  10 Grad, ansonsten ist der Sommer in Island wohl vorbei, erste Schneeflocken im nördlichen Hochland

Technik: Handy immer noch kaputt

Gemüt: aufgeregt – die richtige Frau an meiner Seite

Nicht ausgeschlafen, war ein langer Abend, Kopfweh von dem komischen Bier. Um 7:45h klingelt der Wecker – um 8:45h ist Briefing bei Viking Rafting. Es fahren neben uns noch 9 andere Gäste mit (Isländer, Amis, Kanadier) – zudem zwei Guides für zwei Boote und Lifeguards aller möglichen Nationen (Japan, Peru, Chile) in kleinen Kajaks. Diese werden uns retten für den Fall das wir es selbst nicht mehr zu einem Boot oder an Land schaffen – oder beides zu gefährlich ist. Wir bekommen Helm, Handschuhe, Mütze, Schwimmschuhe und einen besonderen Trockenanzug. Der ist groß geschnitten, so dass man wärmende Kleidung drunter tragen kann und ist nur an den Händen und am Hals offen – jeweils mit Gummibanddichtung, sodass kein Wasser hereinlaufen kann. Nach Ankleiden geht’s in einen Mercedes 4×4 LKW – höhergelegt, der zum Bus umgebaut wurde – so wie diese Busse hier viel rumfahren. (Arctik Adventures). Hinten dran ein hochgelegter Anhänger mit den beiden Booten und den Kajaks der Lifeguards.

Nach 45min ist der Startpunkt erreicht. Dort gibt’s dann ein genaueres Briefing, wie man sich im Rausfall-Fall zu verhalten hat, wie man wieder ins Boot kommt, wo man an einem Kajak anfassen darf und was man alles nicht machen darf. Alles nett erklärt – mit vielen Witzen ausgeschmückt – sofern man die von einem Ami auf amerikanisch überhaupt verstehen kann.
Filmen nur mit Helmkamera – mein Handy ja eh schon kaputt und Janines Handy besser im LKW gelassen – hinterher kann man Fotos kaufen. Alles sehr professionell aufgezogen.

Dann geht es also los. Wir tragen die Boote runter ans Wasser und paddeln los – etwa 18km Strecke haben wir zu bewältigen. Aber nach ein paar Metern kommt schon das erste Kommando von unserem Bootsführer, alle ins Wasser und wieder ins Boot klettern, gar nicht so einfach, aber auf jeden Fall funktionieren die Anzüge- kein Tropfen Wasser dringt ein. Wir üben alle Kommandos wie „forward, backward, all down  (tief reinsetzen), all left side, all right side“. Dann kommen auch schon die ersten Stromschnellen, alles noch ganz harmlos. Aber das bleibt nicht so. Die nächsten Stromschnellen sind dann auch schon ganz gewaltig. Das Boot gräbt sich meist bis zur Mitte tief ins Wasser ein. Danach ist das Boot voll mit Wasser, aber nach ein paar Metern ist das Wasser durch unten angebrachte Löcher wieder abgelaufen und so vor kentern wieder sicher. Irgendwann ist Halbzeitpause, am Ufer gibst – serviert durch einen kleinen Seilzug oben von den Klippen herunter – Kakao und Waffeln. Nach kurzer Pause geht’s dann auch schon weiter, die schlimmeren Sachen stehen uns jetzt noch bevor. Die ca. 80m tiefe Lavaschlucht wird enger und auch serpentinenmäßig. Immer wieder stehen Felsbrocken im Wasser die umschifft werden müssen und die Strömungsgeschwindigkeit hat zugelegt. Dementsprechend sind auch die Abfahrten dann meist viel schlimmer. Der Guide versucht das Boot gerade zu stellen, manchmal aber geht’s dann auch nur rückwärts oder gar seitwärts durch eine Stromschnelle. Bis hier hin haben wir es aber in unserem Boot alle geschafft nicht ins Wasser zu fallen.

Dann halten wir nochmals kurz zum Briefing zur gefährlichsten Stelle in diesem Flussabschnitt – 3 gewaltige Stromschnellen direkt hintereinander. Es wird genau erklärt wie man für den Fall der Fälle wohin zu schwimmen hat – nämlich bloß nicht versuchen sich hinzustellen, dann sind auch mal ganz schnell die Beine gebrochen oder haben sich in Felsen verklemmt. Also immer schön die Beine hoch in Hockstellung treiben lassen – nach den Stromschnellen erst zum Boot oder Ufer. Dann geht’s auch schon los – gigantisch, dass das überhaupt funktioniert, das Boot taucht in fast 90 Grad Winkel vollständig ins Wasser ein – keiner wird herausgeschwemmt – dann hebt sich das Boot wieder und schon kommt die nächste Stromschnelle. Und der Guide steht aufrecht hinten im Boot während wir fast alle auf dem Hosenboden sitzen.


Dann kommt eine kurze Zeit der Entspannung und eine Rast. Hier kann jetzt jeder entscheiden, ob er den geplanten Flip mitmachen möchte. Der funktioniert dann so: Alle rein ins Boot und mächtigst gegen den Strom in die nächste besondere Stromschnelle paddeln. Dort angekommen will das Boot gar nicht wieder raus aus dem Wasserloch. Dann gibt der Guide dem Boot eine bestimmte Richtung und schon heben sich ca. 500kg katapultartig in die Luft. Alle fliegen ins Wasser, müssen bei starker Strömung and Ufer schwimmen. Das geht auch nicht für alle ohne Blessuren ab – man schlägt schnell mal unter Waser an einen Felsbrocken. Manche müssen dann in der Strömung vom Kajak abgeschleppt werden, manchen bleibt nur noch das geworfene Seil – Action pur. Wir verzichten auf eine zweite Runde – wollen das Glück nicht mehrfach herausfordern – der LKW muss noch von uns beiden bestiegen und auch bewegt werden können.

Bei der nächsten Haltestelle ist Klippenspringen angesagt. Ca. 6m hoch ist die Klippe und man springt direkt in die Strömung. Jeder nach Gusto im Freiflug – auch cool. (Anmerkung JS, ich verzichte freiwillig, bin zu schissrig)

Die letzten 5km sind wirklich entspannend, aussteigen, den Berg hochklettern, ablegen und mit dem Bus zurück.
Erwähnenswert ist hier noch die Art und Weise wie die Boote die 80m Canyon hinaufgebracht werden:
Unten im Tal steht ein Gerüst wie ein Metallbett – da kommen die Boote und Kajaks drauf. Oben steht – eingegraben – ein Trecker, der links hinten nur eine freilaufende Felge mit Stahlseil hat. Trecker an, Gang rein, das linke Hinterrad dreht sich und die Boote kommen förmlich hochgeflogen.

Im Gebäude von Viking Rafting gibt’s dann wieder ein besonderes Bier – heute EspressoBier – schmeckt wirklich nach Kaffee und ein zusätzlich zu bezahlendes Mittagessen – sehr lecker und auch mehr als ausreichend.

Am späten Nachmittag geht’s dann wieder auf die Piste, die letzten 75km nach Laugafell liegen noch vor uns. Der Track folgt zunächst dem Canyon, den wir eben noch geraftet haben, danach ins Hochland – Lavafelder soweit das Auge blickt. Der Track ist aber relativ gut zu befahren.

In Laugafell angekommen – mittendrin im Hochland – wirkt es wie eine kleine Oase von 3 kleinen Häusern und dem wirklich schön angelegten HotPot. Wir gehen baden, dann essen (Strammer Max auf Knäckebrot) und feiern unseren Hochzeitstag mit einer auf Island sehr teuer eingekauften Flasche Sekt.

  

Ein Gedanke zu „ISLAND 2018 – Woche 7“

  1. Herzlichen Glückwunsch zum Hochzeitstag. Da hat Janine ja sicher genau so gezittert wie damals, nur diesmal vor Kälte statt vor Nervosität. 😉
    Coole Aktion.
    Weiter viel Spaß!

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